HomeBriefeBriefwechsel mit Gottfried KörnerSchiller an Gottfried Körner, 15. Dezember 1788

Schiller an Gottfried Körner, 15. Dezember 1788

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Weimar, 15. December [Montag] 1788.

Eben empfange ich Dein Paket, und ohne es lesen zu können, weil sogleich die Post geht, antworte ich Dir. Entweder solls im Mercur oder in der Thalia erscheinen – oder lieber gleich in der Thalia. Der Mercur würde es auf einige Monate zurückschieben, und wegen der Bezahlung müßte erst accordirt werden. In der Thalia bezahle ich Dirs, wie ich selbst bezahlt bin, nur müßtest Du warten mit dem Gelde bis zu Ende des Jenners oder Anfang des März, weil das, was ich mir nächste Woche von Göschen zahlen lasse, schon im höchsten Grade bestimmt ist und seinen Herrn hat. Das wird Dir im Ganzen einerlei seyn. Gedruckt siehst Du es in der Mitte des Jenner. Wegen Gibbon will ich mit Wieland reden; und was die Memoires anbetrifft, dazu bin ich jetzt wie vormals sehr geneigt. Zweckmäßige Auszüge daraus für Journale kosten eigentlich weit mehr Mühe, als ich zu dieser Arbeit bestimmen kann, und berechtigen das Publicum auch zu strengeren Forderungen.

Hauptsächlich aber geht der Vortheil eines großen fortlaufenden Werks verloren, um den mirs eigentlich zu thun ist. Hingegen ist es zu erwarten, daß es ein lesbares Buch werden wird, wenn in jedem Bande eine angenehme Mannigfaltigkeit herrscht und, wie ich im Sinne habe, jeder von einem Discours historique über das Enthaltene, in einem philosophischen Gesichtspunkt und lebhaften Styl vorgetragen, begleitet wird. Diese Entreprise wird nun um so nothwendiger für mich, da sich etwas ereignet hat, was ich Dir in instanti verkündigen muß.

Du wirst in zwei oder drei Monaten aller Wahrscheinlichkeit nach die Nachricht erhalten, daß ich Professor der Geschichte in Jena worden bin; es ist fast so gut als richtig. Vor einer Stunde schickt mir Goethe das Rescript aus der Regierung, worin mir vorläufige Weisung gegeben wird, mich darauf einzurichten. Man hat mich hier übertölpelt, Voigt vorzüglich, der es sehr warm beförderte. Meine Idee war es fast immer, aber ich wollte wenigstens ein oder einige Jahre zu meiner bessern Vorbereitung noch verstreichen lassen. Eichhorns Abgang aber macht es gewissermaßen dringend, und auch für meinen Vortheil dringend. Voigt sondirte mich, an demselben Abend ging ein Brief an den Herzog von Weimar ab, der just in Gotha war mit Goethe; dort wurde es gleich mit ihnen eingeleitet, und bei ihrer Zurückkunft kams als eine öffentliche Sache an die Regierung. Goethe beförderte es gleichfalls mit Lebhaftigkeit und machte mir selbst Muth dazu. In dem Rescript, das an ihn gerichtet ist, wird gesagt, daß von den übrigen vier Höfen schwerlich Schwierigkeiten gemacht werden, und die Sache also ziemlich entschieden seyn würde. So stehen die Sachen. Ich bin in dem schrecklichsten Drang, wie ich neben den vielen, vielen Arbeiten, die mir den Winter bevorstehen und des Geldes wegen höchst nothwendig sind, nur eine flüchtige Vorbereitung machen kann. Rathe mir. Hilf mir. Ich wollte mich prügeln lassen, wenn ich Dich auf vierundzwanzig Stunden hier haben könnte. Goethe sagt mir zwar: docendo discitur; aber die Herren wissen alle nicht, wie wenig Gelehrsamkeit bei mir vorauszusetzen ist. Dazu kommt nun, daß mich der Antritt der Professur in allerlei neue Unkosten setzen wird, Lehrsaal u. dgl. nicht einmal gerechnet. Magister philosophiae muß ich auch werden, welches nicht ohne Geld abgeht, und dieses Jahr kann ich wegen der Zeit, die mir aufs Studiren drauf geht, am wenigsten verdienen. Freilich wird es heller hinter dieser trüben Periode, denn nun scheint sich doch mein Schicksal endlich fixiren zu wollen. Ich beschwöre Dich, schaffe mir Rath und Trost, und mit dem Baldigsten. Denke für mich und schreib mir auch einen Plan, wie Du glaubst, daß ich am kürzesten mit meiner Vorbereitung zum Ziele kommen werde. Ich habe nur die halbe Zeit vom Januar bis in die Mitte des April. Adieu. Ich erwarte mit Ungeduld Deine Antwort. Grüße mir die Weiber herzlich.

S.