HomeBriefeAn Charlotte v. LengefeldSchiller an Lotte von Lengefeld, 30. Mai 1788

Schiller an Lotte von Lengefeld, 30. Mai 1788

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[Volkstädt, den 30. Mai Freitag 1788.]

Wie gefällt Ihnen denn das Regenwetter? Mir sieht es gerade so aus, als wollte es uns um drei oder vier schöne Partien bringen. Wie gut wars, daß wir gestern in Grumbach gewesen sind.

Jetzt komme ich mir vor wie in Weimar. Ich bin auf meine vier Wände reduzirt, und wenn nicht manchmal eine Kuh blökte oder meine Pfauen mir vor dem Hause mit ihrer Silberstimme die Honneurs machten, so würde ich gar nicht gewahr, daß Leben um mich ist.

Herrn v. B. schicke ich hier Harrenberg’s Gesch. der Jesuiten; und den Merkur gebe ich zurück, weil ich ihn selbst habe. Sie haben mir gestern etwas zu lesen versprochen, aber was es ist, weiß ich nicht mehr. Indessen von Lavater ist es nichts.

Heute haben Sie bekanntlich die Freitags-Assemblee. Wenn der Himmel sich aufhellt, so sehe ich Sie vielleicht doch noch spät Abends.

Können Sie nicht machen, daß heute Posttag von Weimar ist? An einem Tage wie der heutige weiß ich nichts Bessers als Briefe zu lesen.

Leben Sie recht wohl! und lassen Sie Alles wohl leben!

Schiller.