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Schiller an Friedrich Cotta, 10. August 1799

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Jena 10. Aug. [Sonnabend] 99.

Meine Frau und ich nehmen herzlichen Antheil an der Wiederherstellung Ihrer Frau Gemahlin und wünschen daß Kind und Mutter sich immer zunehmend besser befinden mögen. Meine Frau sieht jetzt gleichfalls binnen 2-3 Monaten ihrer Entbindung entgegen und ist deßwegen auch nicht ganz wohl. Ich gottlob befinde mich wohl auf und benutze diese gute Jahrszeit, auch schreite ich in meiner Arbeit fleißig fort, die ich mit Ende dieses Jahrs, wenn nichts dazwischen kommt zu endigen hoffe.

Mit Göthen habe ich der Propyläen wegen Conferenzen gehalten und es ist auf meinen Rath geschehen, daß er dieses Journal für ein mäßiges Honorar, in einer kleinern Auflage und nach längern Zwischenzeiten noch eine Zeit lang fortsetzen will. Es sogleich aufzugeben schien mir auch darum nicht zu rathen, weil Sie dadurch die Hofnung ganz verlören, von den ersten Stücken noch etwas abzusetzen.

Aus London habe ich nun endlich von Einer Seite Antwort wegen des Wallenstein. Weil man mir aber darinn zur Bedingung machte, daß die englische Uebersetzung 14 Tage früher als das deutsche Original im Druck erscheinen solle, so will ich bei Bell bleiben, der uns keine solche Bedingung gemacht hat. Senden Sie ihm also mit erster Post das Vorspiel; in 4 Wochen, höchstens 6 sollen die Piccolomini und der Wallenstein nachfolgen. Machen Sie ihm aber die Bedingung daß die 60 Pfund unmittelbar nach Empfang des ganzen Manuscripts ausbezahlt werden. Denn es sollte mir doppelt leid thun, die Stücke umsonst hingegeben zu haben, da ich bei dem andern Buchhändler Miller in London wegen der Zahlung ziemlich sicher seyn könnte.

Den Druck des Wallensteins dächte ich brauchten wir nicht eher als im Februar anzufangen, wo ich mich in Weimar bis Ostern aufhalten werde, und wo Gädike ihn drucken könnte, wenn es Ihnen recht ist. Allenfalls könnte man das Vorspiel früher drucken. Wenn alsdann jede Woche 2 Bogen fertig werden oder nur alle 3 Wochen 5 Bogen so sind wir zu rechter Zeit fertig. Alles zusammen, mit dem Prolog, schätze ich auf 26 Bogen.

Leben Sie recht wohl lieber Freund und behalten mich in freundschaftlichem Andenken. Ganz der Ihrige.

Schiller.