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Schiller an Georg Göschen, 8. Januar 1789

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Weimar, den 8. Jenner [Donnerstag] 1789.

Die 16 Dukaten habe ich erhalten und danke Ihnen werthester Freund. Es ist mir eingefallen, daß das überschickte sechste Heft der Thalia, wenn beyliegende Anmerkungen zur Iphigenie noch dazu kommen, gegen die Proportion zu groß ausfallen würde, darum wäre mein Vorschlag, sie ließen in dieses sechste Heft nicht mehr als die 3 ersten Akte setzen und zögen die zwey übrigen, nebst den Anmerkungen in das siebente Heft herüber, das Sie sogleich können im Druck anfangen lassen. Damit das sechste aber vollständig wird, sende ich Ihnen hier noch einige Scenen aus dem heimlichen Gericht, die Nro. 3 nach dem Aufsatz: über die Freyheit des Dichters u. s. w. eingeschaltet werden. Auch sende ich Ihnen kommenden Montag noch einiges zum Geisterseher, was noch in das sechste Heft kommt, ohngefähr 10-12 Blätter. Was den Geisterseher überhaupt anbetrifft, so sollen Sie gewiß mit der Einrichtung, die ich treffe, zufrieden seyn. Ich habe nie im Sinn gehabt, ihn ganz in die Thalia zu setzen, aber der große Vortheil für Sie und für das Werk selbst ist, wenn ich gerade da abbreche, wo das Interesse und also auch die Erwartung am größten ist. Dieses ist ungefähr am Ende des dritten Viertels. Das lezte Viertel kommt nicht in die Thalia, auch werden in dem bisher gedruckten noch hie und da Veränderungen gemacht. Lassen Sie mich wissen, ob Sie mit Anfang des Februars mit dem Druck der vollständigen Edition des Geistersehers wollen anfangen lassen. Sie können sich, was das Papier anbetrifft, auf 24 Bogen richten, und für die Ostermesse sicher auf das Werk zählen.

Noch vor Ende dieses Monats erhalten Sie das ganze siebente und den Anfang des 8. Heftes der Thalia zuverlässig. Die Recension der Iphigenie, die ich diesen Sommer hingeworfen, schreibe ich eben ins reine, und in 10 oder 12 Tagen werden Sie solche erhalten.

Da es mir in dem nächsten halben oder auch ganzen Jahre schlechterdings unmöglich wäre, mich an eine Verbesserung des Karlos zu machen, so lassen Sie ihn, wenn Sie eine neue Auflage binnen eines Jahres brauchen, wörtlich nach dem vorigen abdrucken. Vor 6 oder 7 Jahren denke ich an keine vollständige Ausgabe meiner Schriften, und in dieser Zeit sollen Sie hoffe ich diese 2te Auflage verschlossen haben.

Haben Sie noch die Güte liebster Freund und senden mir das 4te und 5te Heft der Thalia, weil ich ein Exemplar vom Geisterseher, der Veränderungen wegen durchschießen lassen muß. Leben Sie recht wohl und bleiben Sie mein Freund, wie ich der Ihrige

Fridrich Schiller.