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Charakterisierung der Bertha aus Schillers »Die Verschwörung des Fiesco zu Genua«

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Das jungfräuliche Element, gewissermaßen das Symbol des noch ungeschädigten Freistaates, ist Bertha. Aber wie dieser schon einen gefährlichen Stoß erlitten hat, so hat auch sie bereits bei ihrem ersten Auftreten ein unglückliches Verhängnis hart betroffen. Ihr Schicksal soll uns an die Virginia des Altertums und an Lessings Emilia Galotti erinnern. Aber beide fallen, um einer untilgbaren Schmach entzogen zu werden. Bertha wird uns als ein beklagenswertes Opfer zügelloser Leidenschaft vorgeführt. Dass „Genua durch sie erlöst werden soll“, kann uns ebenso wenig als vollgültiger Ersatz für die Verletzung ihrer weiblichen Ehre erscheinen, wie ihr Ruf, indem sie mit Bourgognino das Vaterland verlässt, im Sinne der strengsten Moral wiederhergestellt wird.

Von den weiblichen Charakteren ist Bertha die Figur, die Schiller am wenigsten gelungen ist. Zurückzuführen ist dies wohl an seinem Mangel an Erfahrungen. Der Eindruck, den die weiblichen Charaktere machen, ist somit weder sittlich befriedigend, noch ästhetisch wohltuend. Zu dieser Ansicht bekennt sich Schiller in einem Briefe an Dalberg am 29. September 1783 selbst: „Die Anmerkungen über meinen Fiesco finde ich im Ganzen sehr wahr, vorzüglich stimme ich dem Tadel meiner Frauencharaktere bei. Ich muß bekennen, daß ich an den zwei ersten Scenen des zweiten Actes (d. h. Sc. 2 u. 3) mit einer Art von Widerwillen gearbeitet habe, der nun dem feineren Leser nur zu sichtbar geworden ist.“