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Charakterisierung der Julia Imperiali aus Schillers »Die Verschwörung des Fiesco zu Genua«

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Julia Imperiali ist die Vertreterin der geschichtlichen Perreta, der Schwester Gianettinos, die Fiesco mit dem Bruder seiner Gemahlin verlobt. Schiller, dem ein solches Verwandtschaftsverhältnis für die Entwicklung seines Dramas störend gewesen wäre, führt sie uns als Witwe vor, die für den Verlust, der sie betroffen hat, einen mehr genussreichen als edlen Ersatz sucht. Leonore bezeichnet sie daher als eine „stadtkundige Kokette“ und ihr eigener Bruder nennt sie „ein Stück Weiberfleisch in einen großen Adelsbrief gewickelt“, denn sie ist eine Meisterin in der Kunst, die vornehmsten Männer in ihr Netz zu locken. Nur bei Fiesco ahnt sie nicht, dass seine List die ihrige noch übertrifft.

Dass ihre Charakterzeichnung an Übertreibung leidet, dass sie gewissermaßen eine barocke Vorstudie zur Prinzessin Eboli im Don Carlos ist, das lässt sich nicht leugnen. Ist sie doch (II, 2) im Gespräch mit der Gräfin, die sie in der empörendsten Weise beleidigt, die personifizierte Frechheit. Und sie kämpft doch (IV, 12) in der Unterhaltung mit Fiesco unverhohlen zwischen Lüsternheit und Besorgnis, bis sie endlich, alle weibliche Scham bei Seite setzend, ihm ihre Leidenschaft gesteht, um  schmachvoll verhöhnt zu werden. Mit anderen Männern hat sie gespielt, das ist ihre Schuld. Jetzt spielt Fiesco mit ihr, und das ist ihre Strafe.