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Charakterisierung der Leonore aus Schillers »Die Verschwörung des Fiesco zu Genua«

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Leonore, die die Geschichte als ein echt weibliches Wesen von fein gebildetem Geiste schildert, ist bei Schiller eine vorwiegend sentimentale Gestalt. Sie ist  ergeben genug, ihren eigenen Stolz anzuklagen, der sie ihre Blicke zum genialen Fiesco erheben ließ. Zum Dulden und Gehorchen ausersehen, fühlt sie, dass sie ein Opfer der Politik ihres Gatten ist, für dessen Verstellungskünste sie aber kein Verständnis hat. Denn sie selbst ist ja wahrheitsliebend, so dass sie lieber von der Tafel aufbricht, als ihren Unwillen über Fiescos Galanterien gegen Julia zu verbergen sucht. Und doch besitzt sie Seelengröße genug, der letzteren gegenüber ihren berechtigten Zorn zurückzuhalten. Ja sie lässt es sogar an Ausdrücken des Mitleids nicht fehlen, als dieselbe in ihrer Gegenwart schwer gedemütigt wird.

Ein liebendes Herz, das ist der Grundzug ihres Wesens. Darum ist es ihr auch unmöglich, zwei so gewaltige Mächte wie Liebe und Herrschsucht in ihrer Brust zu bergen. Mit dem Diadem, das Fiesco ihr verspricht, fürchtet sie seine Liebe zu verlieren. Sie ahnt, dass es um ihn selbst geschehen sei. Und als sie keine Rettung mehr sieht, verwandelt sich die zarte Genueserin plötzlich in eine heldenmütige Römerin und stürzt sich in das Kampfgewühl, wo sie einem unglückseligen Verhängnis zum Opfer fällt.