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Schillers »Maria Stuart« – Erläuternde Inhaltsangabe nach Akten und nach Szenen

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3. Akt

In dem dritten Aufzug, der uns die Katastrophe oder den Wendepunkt bringt, befinden wir uns wieder in Fortheringhay, aber nicht zwischen Kerkermauern, sondern in dem Park, wo der Gefangenen einige Stunden der Freiheit gegönnt sind.

1.—3. Szene

In klangvollen gereimten Strophen, die sich teils in weniger streng abgemessenen Jamben bewegen, teils, wo die Empfindung zu lyrischem Sturm sich steigert und in daktylischen Rhythmen dahineilen, macht das Gefühl von Maria Stuart sich Luft. Es ist die Sehnsucht nach Rettung, die nun in ihr erwacht. Sie hofft auf Befreiung. Zugleich erfahren wir, dass ihr Verhältnis zu Leicester auf wirklicher Herzensneigung beruht. Dem Brief, den sie an ihn geschrieben hat, glaubt sie die Vergünstigung größerer Freiheit verdanken zu müssen.

Doch stattdessen erfährt sie, dass der an Elisabeth gerichtete Brief gewürdigt, und dass sie sich bereit zu halten hat, die Königin zu empfangen. Dazu freilich taugt die fröhliche Stimmung, in der wir sie erblicken, keines Weges. Im Gegenteil, es erwacht ihr alter Groll und lässt uns das Schlimmste befürchten. Zwar erscheint zum Glück der menschenfreundliche, edle Shrewsbury , um sie zu besänftigen und zur Gelassenheit zu ermahnen, aber was kann sein Zuspruch in einem Augenblick helfen, wo die Aufregung so heftig und keine Zeit innerer Sammlung gestattet ist?

 4. Szene

Maria Stuart, 3. Akt, 4. Szene: Im Schlosspark von Fortheringhay kommt es zur Auseinandersetzung von Maria Stuart mit Königin Elisabeth.

Maria Stuart, 3. Akt, 4. Szene: Im Schlosspark von Fortheringhay kommt es zur Auseinandersetzung von Maria Stuart mit Königin Elisabeth.

In der vierten Szene stehen die beiden Königinnen einander gegenüber. Was die historischen Personen bei der Ratifikation des Edinburgher Vertrages einander schriftlich gesagt hatten, das bringt uns Schiller hier in mündlicher Unterhaltung zu unmittelbarer Anschauung. Wir stehen auf dem Kulminationspunkt des Stückes. Zwei ganz verschiedene Charaktere stoßen hier aufeinander, auch ganz verschiedene Gründe haben sie zusammengeführt.

Maria Stuart will sich rechtfertigen, Elisabeth, durch Leicester (II, 9) dazu veranlasst, will sie beschämen. Zwar versucht es Maria, die sich von vornherein zurückgestoßen fühlt, sich zu demütigen, aber Elisabeth antwortet ihr mit dem Stolz des Pharisäers und verdreht die Worte. Vergeblich kämpft Maria, das Gefühl der Bitterkeit in ihrem Inneren zu besiegen, Elisabeth bleibt sich treu und Maria gegenüber kalt. Auch wenn die Gefangene zu jedem Schritt bereit ist, der zum Ausgleich der politischen Differenzen führen kann, die Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses trennt sie mit unerbittlicher Gewalt.

Es dauert nicht lange, so vergessen beide im Streit ihre königliche Würde. Bald sind es nur noch zwei aufeinander neidische und eifersüchtige Frauen, die sich gegenüberstehen. Elisabeth verletzt ihre Gegnerin mit höhnenden Worten, die ihren Stolz herausfordern. Maria sagt ihrer Feindin die bittersten Wahrheiten, durch die sie sich in ihrer weiblichen Ehre und in ihrer königlichen Würde verletzt fühlen muss. Somit liegt von Seiten der schottischen Königin eine Majestätsbeleidigung vor, welche Elisabeth zu Unterzeichnung des Todesurteils berechtigt.

Gerade die Unterhaltung, durch welche die Vollstreckung des Urteils unmöglich gemacht werden sollte, führt jetzt die Entscheidung herbei. Die Vollstreckung der Hinrichtung ist jetzt nicht mehr zu verhindern.

 5. Szene

Maria Stuart hat in diesem Gespräch zumindest einen moralischen Sieg über ihre Gegnerinnen davongetragen. Sie weiß das und sagt es ihrer Amme Hanna. Aber sie soll dafür auch bald genug wieder gedemütigt werden.

6. Szene

Denn Mortimer, der heimlich zugehört und sich ihres Triumphes erfreut, berichtet, dass sie von Leicester nichts zu hoffen habe, sondern dass er allein sie retten wolle. Aber um welchen Preis? Mortimer gesteht ihr seine Liebe, eine Liebe, die sie erschrecken muss. Denn er vergisst, dass eine Königin ihm gegenüber steht und behandelt sie in der wilden Glut seiner Leidenschaft wie jedes andere wehrlose Weib, das rohen Angriffen nichts als ihre persönliche Würde entgegenzusetzen hat. So wird Maria für den Leichtsinn gestraft, mit dem sie in früheren Zeiten ihre königliche Würde beiseite geschoben hat. Vor dem Liebeswahnsinn ihres blind wütenden Retters schützt sie nur die Ankunft bewaffneter Scharen, die das Schloss umzingeln.

7. Szene

Eine neue Untat ist geschehen: Ein Mordversuch auf die Königin ist gemacht, aber glücklich vereitelt worden. Jetzt fühlen wir, dass es um Maria geschehen ist, wenn sie Mortimer nicht gestattet, das äußerste für sie zu tun, dem Mortimer, dem sie ihre Ehre doch unmöglich anvertrauen kann. So sehen wir der Auflösung des Zweifels bange erwartend entgegen.

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