HomeText: Verschwörung des Fiesco3. AktDie Verschwörung des Fiesco zu Genua – 3. Akt, 1. Auftritt

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua – 3. Akt, 1. Auftritt

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Verrina, Bourgognino kommen durch die Nacht.

BOURGOGNINO steht still. Aber wohin führst du mich, Vater? Der dumpfe Schmerz, womit du mich abriefst, keucht noch immer aus deinem arbeitenden Odem. Unterbrich dieses grauenvolle Schweigen. Rede. Ich folge nicht weiter.

VERRINA. Das ist der Ort.

BOURGOGNINO. Der schröcklichste, den du auffinden konntest. Vater, wenn das, was du hier vornehmen wirst, dem Orte gleich sieht, Vater, so werden meine Haarspitzen aufwärts springen.

VERRINA. Doch blühet das, gegen die Nacht meiner Seele. Folge mir dahin, wo die Verwesung Leichname morsch frißt, und der Tod seine schaudernde Tafel hält – dahin, wo das Gewinsel verlorner Seelen Teufel belustigt, und des Jammers undankbare Tränen im durchlöcherten Sieb der Ewigkeit ausrinnen – dahin, mein Sohn, wo die Welt ihre Losung ändert, und die Gottheit ihr allgütiges Wappen bricht – Dort will ich zu dir durch Ver zerrungen sprechen, und mit Zähnklappern wirst du hören.

BOURGOGNINO. Hören? Was? Ich beschwöre dich.

VERRINA. Jüngling! ich fürchte – Jüngling, dein Blut ist rosenrot – dein Fleisch ist milde geschmeidig; dergleichen Naturelle fühlen menschlich weich; an dieser empfindenden Flamme schmilzt meine grausame Weisheit. Hätte der Frost des Alters, oder der bleierne Gram den fröhlichen Sprung deiner Geister gestellt – hätte schwarzes, klumpigtes Blut der leidenden Natur den Weg zum Herzen gesperret, dann wärst du geschickt, die Sprache meines Grams zu verstehen, und meinen Entschluß anzustaunen.

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BOURGOGNINO. Ich werd ihn hören und mein machen.

VERRINA. Nicht darum, mein Sohn – Verrina wird damit dein Herz verschonen. O Scipio, schwere Lasten liegen auf dieser Brust – ein Gedanke, grauenvoll wie die lichtscheue Nacht – ungeheuer genug, eine Mannsbrust zu sprengen – Siehst du? Allein will ich ihn vollführen – allein tragen kann ich ihn nicht. Wenn ich stolz wäre, Scipio, ich könnte sagen, es ist eine Qual, der einzige große Mann zu sein – Größe ist dem Schöpfer zur Last gefallen, und er hat Geister zu Vertrauten gemacht – Höre, Scipio –

BOURGOGNINO. Meine Seele verschlingt die deinige.

VERRINA. Höre, aber erwidre nichts. Nichts, junger Mensch. Hörst du? Kein Wort sollst du drauf sagen – Fiesco muß sterben!

BOURGOGNINO mit Bestürzung. Sterben? Fiesco?

VERRINA. Sterben! – Ich danke dir, Gott! es ist heraus – Fiesco sterben, Sohn, sterben durch mich! – Nun geh – Es gibt Taten, die sich keinem Menschenurteil mehr unterwerfen – nur den Himmel zum Schiedsmann erkennen – Das ist eine davon. Geh. Ich will weder deinen Tadel noch deinen Beifall. Ich weiß, was sie mich kostet, und damit gut. Doch höre – du könntest dich wohl gar wahnsinnig daran denken – Höre – Sahest du ihn gestern in unsrer Bestürzung sich spiegeln? – Der Mann, dessen Lächeln Italien irreführte, wird er seinesgleichen in Genua dulden? – Geh. Den Tyrannen wird Fiesco stürzen, das ist gewiß! Fiesco wird Genuas gefährlichster Tyrann werden, das ist gewisser! Er geht schnell ab.

Bourgognino blickt ihm staunend und sprachlos nach, dann folgt er ihm langsam.