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»Wilhelm Tell« von Friedrich Schiller – Zusammenfassung, Inhaltsangabe, Hintergründe

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Hintergründe: Schweizer-Nationalmythen (1)

Die Tell-Sage – Ein Mythos als Hintergrund für Schillers Drama

Wilhelm Tell ist ein Schweizer Freiheitskämpfer. Über die Grenzen der Schweiz hinweg ist er zu einem Symbol für den Freiheitskampf geworden. Auch von der Freiheitsbewegung in Frankreich wurde Tell während der Französischen Revolution als Held verehrt, was den Schweizern wegen der blutigen Exzesse dieser Revolution übel aufstieß. Tells Geschichte wird auf das Jahr 1307 datiert.

Anfang des 13. Jahrhunderts wurde der Gotthardpass eröffnet. Die Region um den Vierwaldstättersee gewann hierdurch strategische und wirtschaftliche Bedeutung. Die Habsburger wollten ihren Einfluss daher auch auf die Region der Waldstätten Uri, Schwyz und Unterwalden ausdehen und sandten Vögte, die dort Steuern eintreiben sollten. Die Waldstätten bestanden jedoch auf den vom Kaiser verbürgten Freiheitsbrief. Daher  formierte sich Widerstand. In dieser Zeit soll auch Wilhelm Tell gelebt haben. Erstmals belegt wurde die Tell-Geschichte im „Weissen Buch von Sarnen“ im Jahre 1470. Ob Tell wirklich existiert hat, ist bis heute unklar.

Inhalt der Tell-Sage

Die Sage von Wilhelm Tell besteht aus vier Kernthemen:

  • Apfelschuss,
  • Tell-Sprung,
  • Tyrannenmord und
  • Rütlischwur.

Die Tell-Sage erzählt vom Landvogt Gessler, der in Uri für die Grafen von Habsburg Steuern eintreibt. Um den Herrschaftsanspruch der Habsburger zu verdeutlichen,  steckt Gessler auf dem Dorfplatz in Altdorf seinen Hut auf einer Stange auf und verlangt von den Vorbeigehenden, sie sollen den Hut grüßen. Tell verweigert den Gruß. Gessler stellt Tell vor die Wahl, entweder einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen oder selbst zu sterben. Tell hatte zwei Pfeile. Mit dem zweiten Pfeil, so gibt Tell auf Nachfrage von Gessler zu, hätte er auf den Vogt geschossen, hätte er seinen Sohn getroffen. Gessler nahm Tell erneut in Gefangenschaft, weil er eine Gefahr für ihn darstellte. Tell sollte auf Gesslers Burg gebracht werden. Bei der Überfahrt über den Vierwaldstätter See jedoch kam ein Sturm auf. Tell wurde losgebunden, um das kleine Boot zu steuern. Er steuerte es zu einer Klippe, sprang dort an Land und floh. Zu Lande begibt sich Tell nun nach Küssnacht. Er versteckt sich in der „Hohlen Gasse“, die vom See zu Gesslers Burg führt. Als Gessler hier eintrifft, erschießt Tell den Landvogt mit einem Pfeil, der den Vogt mitten ins Herz trifft.

Die Tat Tells ging dem Freiheitskampf der Schweizer gegen die Tyrannei der Habsburger voran und wurde mit dem Rütlischwur besiegelt. Die „Urkantone“ Uri, Schwyz und Unterwalden schworen sich im Rütlischwur ewige Treue und gelobten, dass sie niemals mehr von fremden Mächten beherrscht werden wollen.

Wilhelm Tell – Der Mythos

Die Existenz von Wilhelm Tell ist historisch keineswegs verbürgt. Auch die Tell-Sage selbst hat ihren Ursprung nicht in der Schweiz. In Skandinavien gibt es verschiedene Sagen, die einen Apfelschuss und einen Tyrannenmord nach abenteuerlicher Flucht behandeln und zeitlich vor der Schweizer Gründungszeit datiert sind. Frühe Zeugnisse finden sich zu Beginn des 13. Jahrhunderts in den Gesta Danorum («Geschichte der Dänen») des Saxo Grammaticus. In der altnordischen Thidreks-Saga tritt das Apfelschuss-Thema ebenfalls auf. Es liegt also nahe, dass Wilhelm Tell ein Mythos ist und eine skandinavische Sage ihren Weg in die Schweiz gefunden hatte, wo sie auf einen Freiheitskämpfer mit dem Namen Tell übertragen wurde.

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Kommentare

    1. Ja. Ich habe acht Jahre an der Deutschen Schule in Helsinki unterrichtet und habe mit meinen finnischen Schülern „Wilhelm Tell“ gelesen.

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