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»Die Verschwörung des Fiesco zu Genua« von Friedrich Schiller – Zusammenfassung und Inhaltsangaben

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Entstehung des Dramas

Die Entstehung dieses Dramas fällt in die bewegteste Zeit von Schillers Lebens. Die  gewaltige Katastrophe bereitete sich vor, die Schiller neue Flugkraft verleihen sollte: Von Mannheim zurückgekehrt, wo er der Aufführung seiner Räuber beigewohnt hatte, schreibt er am 17. Januar 1782 an Dalberg: „Beobachtet habe ich sehr vieles, sehr vieles gelernt, und ich glaube, wenn Deutschland einst einen dramatischen Dichter in mir findet, muß ich die Epoche von der vorigen Woche an zählen.“ Mit diesem stolzen Selbstgefühl zog er in Stuttgart ein, wo ein wütender Fürst auf den Regimentsarzt wartete. Schiller hatte sich ohne Erlaubnis aus Stuttgart entfernt. Ein 14-tägiger Arrest sollte Schiller zur Besinnung bringen und ihn eindringlich an die Pflichten seiner Stellung mahnen. Schiller nutzte die Zeit aber zu nichts anderem als zur Arbeit an seinem Fiesco.

Auf den Stoff zu diesem Drama war er bereits in der Karlsschule durch die Lektüre Rousseaus hingewiesen worden. Der hatte den Charakter des Fiesco als einen der merkwürdigsten in der Geschichte bezeichnet. Nichts konnte besser zu Schillers augenblicklicher Gemütsstimmung passen. Auch Schiller hatte gegen erdrückende Verhältnisse zu kämpfen. Sein Fürst hatte ihm jede Veröffentlichung von Dichtungen bei Gefängnisstrafe untersagt. Auch Schiller musste zur List greifen, um sein dichterisches Schaffen unter der Maske seiner Uniform zu verbergen. Im Gefängnis war sein Drama bereits tüchtig vorgerückt. Schiller verschaffte sich aus der Stuttgarter Bibliothek die nötigen Bücher. Er las besonders über Italien im Allgemeinen und nahm sich den in Shakespeares Julius Cäsar befolgten Plan zum Muster. Dabei hoffte er, das Drama bis Ende des Jahres 1782 fertigstellen zu können. Der Dienst im Lazarett und gleichzeitig die dichterische Arbeit, das vertrug sich aber nicht miteinander. Auch deshalb floh Schiller aus Stuttgart, um seinen Fiesco in Mannheim zu vollenden und ihm dort den notwendigen tragischen Schluss zu geben.

In Mannheim las der den bereits vollendeten Teil zunächst den bewährten Kennern vor und setzte ihn ihrem Urteil aus. Bei Theaterdirektor Meyer waren bedeutende Schauspieler der Mannheimer Bühne anwesend, die die ersten beiden Akte hörten. Das Vorgelesene wurde aber ungünstig aufgenommen. Schiller deklamierte pathetisch und in seinem schwäbischen Akzent, was für Befremden sorgte und das Stück zunächst in ein schlechtes Licht rückte. Doch Streicher gab Meyer das Manuskript zu lesen und schon am nächsten Morgen musste er seine herbe Kritik am Fiesco revidieren. Das Stück wusste er nun zu schätzen.

Da Schiller befürchten musste, dass der Herzog seine Auslieferung verlangt, sah er sich zu weiteren Flucht genötigt. Mit seinem Freund Andreas Streicher ging er über Darmstadt nach Frankfurt. Hier beendete er das Stück und schickte es an Dalberg, erhielt jedoch die trostlose Antwort, dass es auch in der vorliegenden Form nicht brauchbar, sondern eine vollständige Umarbeitung nötig sei. Auch der gewünschte finanzielle Vorschuss wollte Dalberg nicht leisten. Zu der drückenden äußeren Not kam auch die Not mit dem Stück selbst. Schiller konnte lange keinen passenden Schluss hierzu finden. Seinen Helden und den geschichtlichen Fiesco durch einen Zufall ums Leben kommen lassen, das wäre undramatisch, ihn aber am Leben erhalten, das wäre unhistorisch gewesen. Fiesco musste durchaus untergehen, zum Ende aber auch als schuldig empfunden werden. Ohne eine vollständige Umarbeitung des ganzen Stücks war dies unmöglich.

Schiller ging deshalb zunächst, um billiger leben zu können, über Mainz und Worms nach Oggersheim. Er war von dem festen Vorsatz erfüllt, sein Stück entweder auf das Theater zu bringen oder an einen Buchhändler zu verkaufen. Endlich fand sich auch ein Schluss, der dem geschichtlichen Ende seines Helden möglichst nahe kam. Im November 1782 war die Arbeit fertig und wurde an Dalberg geschickt. Doch auch diese neue Bearbeitung fand dieser nicht brauchbar. Schiller bot sein Stück daher dem Buchhändler Schwan in Mannheim an, wo es mit einer Würdigung an seinen teuren Lehrer Abel im Jahre 1783 erschien. Die elf Louidor, die er dafür erhielt, reichten gerade, um seine Wirtshausschulden in Oggersheim zu tilgen und die bereits geplante Reise zu Frau von Wolzogen zu machen, die ihren Wohnsitz im thüringischen Bauerbach hatte.

In Bauerbach erfreute er sich einer wohltuenden Ruhe und eines sorgenfreien Lebens und konnte nun auch an eine Theaterbearbeitung für die Mannheimer Bühne denken. Während die bei Schwan erschienene Ausgabe in die gesammelten Werke des Dichters übergegangen ist und das Stück in dieser Gestalt auch jetzt bei uns aufgeführt wird, ist jene bühnengemäße Umgestaltung ein fast ganz neues Werk und erst später nach einer Handschrift der Mannheimer Theaterbibliothek veröffentlicht worden. In dieser Bearbeitung trägt Fiescos republikanische Tugend über seinen herrschsüchtigen Ehrgeiz den Sieg davon. Der Held schließt mit den Worten: „Steht auf Genueser! Den Monarchen hab’ ich euch geschenkt, umarmt euren glücklichsten Bürger!“ Die erste Aufführung dieser Theaterbearbeitung fand in Mannheim am 17. Januar 1784 statt, sprach aber nicht so an wie die Räuber. Dem Stoff fehlte es jetzt an der erwarteten tragischen Gewalt. Dagegen hatte Plümicke in Berlin eine Bearbeitung übernommen, die den tragischen Schluss mit etwas veränderter Gestalt bestehen ließ und deren Aufführung außerordentlichen Beifall errang.

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