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»Die Verschwörung des Fiesco zu Genua« von Friedrich Schiller – Zusammenfassung und Inhaltsangaben

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Über den Wert des Dramas – Eine Einordnung

Schiller hat mit seinem Fiesco dem deutschen Trauerspiel eine neue Bahn eröffnete: Er gab ihm eine historische Grundlage, doch setzte er diese in den Dienst seiner dramatischen Ziele. Dass er diesen Schritt nicht ohne eigene Befangenheit tat, geht aus der Vorrede hervor, in der er sich verpflichtet fühlt, seine Arbeit gegen zwei leicht zu erhebende Bedenken zu verteidigen. Zunächst entschuldigt er sich wegen der Freiheiten, die er sich mit den historischen Begebenheiten herausgenommen hat. Aus einem Brief Schiller ersieht man: „Mit der Historie getraue ich mir bald fertig zu werden, denn ich bin Fiesco’s Geschichtsschreiber, und eine einzige große Aufwallung, die ich durch die gewagte Erdichtung in der Brust meiner Zuschauer bewirke, wiegt bei mir die strengste historische Genauigkeit auf – Der Genueser Fiesco sollte zu meinem Fiesco nichts als den Namen und die Maske hergeben – das Übrige mochte er behalten. Mein Fiesco ist allerdings nur untergeschoben, doch was kümmert mich das, wenn er nur größer ist als der wahre?“ So fühlte Schiller sich also berechtigt, die Fakten zu ändern, wenn seine Umgestaltungen nur vor dem Forum der Poesie sich verteidigen ließen und ihrem ästhetischen Wert nach den historischen Tatsachen die Waage zu halten vermochten. Er war also wie Goethe der Ansicht, dass die Kunst ihre Gesetze in sich selbst trage und dass der Dichter nur den Anforderungen der Schönheit zu genügen habe. Die Hauptsache war ihm seine sittliche Welt. Die historischen Personen benutzte er nur als Träger für seine Ideen. Übrigens ist die Verschwörung des Fiesco an und für sich kein Stoff von weltgeschichtlicher Bedeutung. Dagegen gewährt die Person des Fiescos ein psychologisches Interesse, denn er ist ein vornehmer Verbrecher, der in einer spannenden Handlung einem zweifelhaften Ziel entgegen eilt – somit als ein dramatischer Held, wie er Schiller willkommen sein musste.

Die zweite Besorgnis Schiller betrifft die Hoffnung, dass der Stoff geeignet war als Spiegelbild der deutschen Zustände. Doch war diese Befürchtung auch unberechtigt. Auch sind die Zustände, wie sie Lessing bereits zehn Jahre zuvor in seiner Emilia Galotti an dem Hof eines italienischen Fürsten zu warnender Anschauung brachte und wie sie Schiller bald darauf mit größerer Kühnheit in Kabale und Liebe an einem heimischen Fürstenhof sich wiederholen ließ, Beweis genug, dass es in Deutschland nicht an gärenden Elementen fehlte. Sie bedurften nur eines energischen Anstoßes von außen, um zu einem entschiedenen Ausbruch zu gelangen. So gewährte der jugendliche Dichter, zum Teil noch sich selber unbewusst, seinem Volk ein Charaktergemälde, an dem es seine eigenen Zustände sich deutlich vergegenwärtigen und sich zu entschlossenem Handeln innerlich begeistern konnte. Verfehlte er auch in Mannheim zunächst seinen Zweck, wurde er dafür in Berlin umso besser verstanden.

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